Beginn des Modellversuches im Oktober 2013

Das neueste Gemeinschaftsprojekt des Umweltreferates Nürnberg und des Vereins Grünclusiv ist ein Pilotprojekt zur Bewirtschaftung von (Regen-)wasser für Vertikalbegrünungen. Dafür soll in Gebieten mit hohem Versiegelungsgrad und einer daraus resultierenden Überlastung des Kanals das Regenwasser aufgefangen und in Vertikalbegrünungen von den Pflanzen 'verdunstet' werden. So könnte das Nützliche mit dem Schönen und Klimaverbessernden verbunden werden - auch in Bereichen, wo keine Bäume gepflanzt werden können.

Um mögliche Beteiligte - Investoren, Grundstücks-/Gebäudebesitzer und auch die Verwaltung der Stadt - von dieser Idee zu überzeugen, stellt der Eigenbetrieb Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg (SUN) einige Jahre lang eigene Wand-Flächen für vier Prototypen zur Verfügung. Der Verein Grünclusiv fungiert als Vermittler und Moderator des Prozesses; auch die Bayerische Landesanstalt in Veitshöchheim und die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. sind beteiligt.

Vertikalbegrünungssysteme funktionieren im Prinzip wie eine hinterlüftete Fassade. Auf eine nichtrostende, thermisch beständige (meistens Aluminium) Unterkonstruktion, die in der tragenden Wand verankert wird, bringen die verschiedenen Hersteller unterschiedliche - meist vorgefertigte - vlieskaschierte, aus Alugitter oder aus Kunststoff geformte und mit Substrat gefüllte Paneele oder Kassetten an. In diesen ist ein Bewässerungssystem integriert. Je nach Exposition und Bedarf werden die Module unterschiedlich bepflanzt.

Das Gewicht der Systeme reicht - je nach System und den verwendeten Materialien - von rd. 30 - 120 kg/m². Der Wasserverbrauch liegt entsprechend zwischen 1,5 - 5 l /m²*d.

Je nach Exposition, Jahreszeit und gewähltem System bieten die Fassadenbegrünungen einen optisch ungewöhnlichen und interessanten Anblick. Die Isolierung der Wand und der Wasserverbrauch über die Blattmasse wirken ausgleichend auf die umgebende Temperatur und das Klima.

Nach 2-3 Jahren soll entschieden werden, welche Systeme am leistungsfähigsten und wirtschaftlichsten sind und auf welchen Wänden in der Stadt weitere Vertikalbegrünungen entstehen können.