Fernsehbeiträge Frankenschau - Kinder im Garten - 29.08.2004

Welche Gärten sind für Kinder geeignet oder was sollte man unbedingt bedenken, wenn Kinder auch zu den Gartennutzern gehören?

Wenn man heute möchte, dass die eigenen Kinder oder Enkel eine Beziehung zur Natur aufbauen, damit sie später außer der technikorientierten Seite unserer Welt noch andere Werte und Sinne erkennen und die Natur auch schätzen und bewahren können, muss man ihnen den Zugang zur Natur auch ermöglichen. Und das bedeutet weitaus mehr als nur eine Schaukel oder einen Sandkasten aufzustellen.

Kindern den Garten zu öffnen oder gar Bereiche zu überlassen bedeutet, eine gewisse Unordnung zuzulassen. In einem äußerst gepflegten Ziergarten finden Kinder keine interessanten Bereiche oder Betätigungsfelder und ihre Aktivitäten würden mühsam Gestaltetes zerstören, was sicher auf wenig Gegenliebe bei Eltern oder Großeltern stößt.

Natur kennen lernen bedeutet Entdecken und beobachten aber auch experimentieren und kreativ gestalten. Während das Beobachten von Pflanzen relativ langweilig ist, da wenig Aktion zu sehen ist, sind Tiere wesentlich spannender.

Gärten für Kinder, in denen man solche Bedingungen vorfindet, sind idealer weise alle Naturgärten. Hier gibt es Orte, die sich verändern dürfen, es gibt Wildpflanzen, von denen sich heimische Tierarten ernähren, es gibt Materialvielfalt, die zu kreativen Gestalten anregt, es gibt Erwachsene, die viel über Naturzusammenhänge wissen oder sich dafür interessieren und dieses Wissen gern weitergeben und es gibt jede Menge Toleranz zwischen Mensch, Pflanze und Tier.

Was sind wichtige Elemente im Garten für Kinder, was sollte man unbedingt beachten?

Wasser

Wasser zieht Kinder magisch an. Sie lieben es zum planschen, matschen, baden und auch beobachten. Man sollte sich über die Anziehungskraft des Wassers bei Kindern bewusst sein und zugängliche Bereiche so gestalten, dass sie von Kindern sicher genutzt werden können. Der erfahrene Gärtner oder Landschaftsarchitekt hat geeignete Lösungen für Sie parat.

Gartenteichbesitzer sollten wissen, dass sie ihr Grundstück vor freiem Zugang schützen müssen, damit nicht z.B. fremde Kinder ungehindert in unbekannte Gefahrenzonen geraten können.

Sand/Erde

Sandkuhle oder Sandhaufen anstelle obligatorischer Sandkasten - man kann schöner mit Baggern und sonstigen Spielgeräten hineinfahren, zum Kuchen backen reicht ein Brett!.

Lehmiger Sand hält besser als gewaschener Quarzsand. Nachteil: schmutzige Sachen sind kaum zu reinigen. Alternative: Spielhose, die schmutzig werden darf. Kombination mit Baumaterial regt zur Großbaustelle an, z.B.Tunnel aus Rohrresten, Folie für kleinen Teich, Bretter für Brücken u.s.w.

Pflanzenauswahl

Es sollten solche Pflanzen ausgewählt werden, die auch von Tieren heimgesucht werden und dadurch zum Beobachten animieren. Die Planer von Grünclusiv wissen hier Rat.

Die Weide als natürlicher und robuster Baustoff eignet sich hervorragend zur Gestaltung von Kinderbereichen, z.B.Weidentipi, Weidenzaun, Weidentunnel.

Thema Giftpflanzen.

Es gibt nur sehr wenig wirklich tödlich giftige Pflanzen, die nicht im Garten gehalten werden sollten, wo sich auch Kinder aufhalten (z.B. Eibe, Goldregen, Tollkirsche, Seidelbast, Eisenhut). Ganz auf giftige Pflanzen zu verzichten, ist sicher pädagogisch nicht besonders sinnvoll. Lieber sollte man den Kindern zeigen und erklären, was giftig ist. Sie haben einen enormen Respekt vor giftigen Pflanzen und betrachten sie aus sicherem Abstand mit einer großen Portion Ehrfurcht.

Geräte

Baumhaus oder Spielhaus zum Zurückziehen und Rollenspiel mit Geschwistern oder Freunden ist eine ideale Ergänzung. Auch finden Kinder eine Hängematte zwischen Bäumen oder Schaukel zum "vor sich hin träumen" toll. Weniger sollten Aktionsgeräte wie Rutschen im Hausgarten eingesetzt werden, denn die sind allein langweilig (diese Geräte sollten lieber auf einem Spielplatz besucht werden). Bestimmte Sicherheitsvorschriften sollte man hier allerdings einhalten und da ist häufig ein Experte gefragt. Die Landschaftsarchitekten von Grünclusiv geben Ihnen Auskunft.

Kinderbeete

Sie sind sicher nicht für jede Familie geeignet, da Kinder hier Anleitung brauchen und Interesse mitbringen müssen. Wenn doch, dann sollten Pflanzen ausgewählt werden, die schnell wachsen (Hopfen, Bohnen) oder lange fruchten (Monatserdbeeren) oder leicht wachsen (ohne viel Pflege) und schmecken (Radieschen).

Haben denn Menschen mit Vorliebe für sehr gepflegte Gärten gar keine Chance, ihren Kindern einen angemessenen Aufenthaltsbereich im Garten anzubieten?

Da kann empfohlen werden, Kindern eine bestimmte Gartenecke zu überlassen, die abgetrennt vom übrigen gepflegten Garten ist und Regeln zur Benutzung aufzustellen, die den einsehbaren Ziergarten vor ungewollter Vereinnahmung schützen sollen. Als Sichtschutz könnte eine Hecke dienen. In Hanggärten bieten sich auch natürliche Abtrennungen durch Höhenunterschiede im Gelände an, die vielleicht durch Trockenmauern voneinander getrennt sind. Wenn der Platz für eine Hecke nicht ausreicht, kann als Sichtschutz auch an Spalieren gezogene Kletterpflanzen dienen. In größeren Gärten kann ein etwas entlegener Gartenteil der Kreativität der Kinder überlassen werden, der vom Sitzplatz aus nicht unbedingt einsehbar ist.

Aber auch hier gilt: Toleranz! Denn was Kinder aus diesen Ecken oder Bereichen machen, muss Erwachsenen nicht immer gefallen!

Aufgestellt von Kerstin Gruber, Landschaftsarchitektin Verein Grünclusiv